SAISONRÜCKBLICK

Veröffentlicht am 15.07.2021 von Pressestelle HC Elbflorenz

Kann man diese Saison überhaupt in normalen Kategorien messen? Diese Frage kann man durchaus stellen. Dass es für kein Team in der 2. Liga eine normale Spielzeit wird, war schon vor der Saison klar. Dass die Saison für den Profihandball überlebenswichtig sein wird, aber eben auch. Corona hatte einen Einfluss auf alle Teams, auch auf den HC. In diesem Sinne kann man diese Spielzeit durchaus einschätzen, sollte aber die besonderen Umstände immer etwas im Hinterkopf haben. Rico Göde brachte den Faktor Corona in Verbindung mit der Saison treffend auf den Punkt: „Improvisieren war das neue Planen“ und schloss an: „Ich hoffe, dass es in der Form, wie wir es erlebt haben, vorbei ist. Die Mannschaft hat rückblickend ein großes Lob verdient. Es ging ja viel auch um Eigenverantwortung und wir sind quasi 10 Monate durchgesegelt. Dann hat es auch bei uns zugeschlagen und wir hatten während und nach der Quarantäne das Glück, dass wir von einem ganz großartigen medizinischen Team unterstützt wurden. Deren Einsatz und Unterstützung kann man nicht hoch genug loben. Auch wie sich die Mannschaft nach der Zwangspause wieder zurückgekämpft hat, verdient großen Respekt.“

Die Sachsen hatten vor der Spielzeit das Ziel einstelliger Tabellenplatz ausgegeben. Diese Zielstellung war durchaus ambitioniert, wenn man überlegt, dass die Landeshauptstädter in den 3 Spielzeiten davor immer gegen den Abstieg gespielt haben. Am Ende zeigt der Blick in die Tabelle 42:30 Punkte und 1031:967 Tore. Dieses bedeutet Platz 4 und man kann die Dresdner so durchaus zu den positiven Überraschungen der Zweitligasaison 2020/2021 zählen. Neben den Dresdnern überraschten auch Teams wie der Fünfte EHV Aue, der Sechste TV Großwallstadt und der Meister HSV Hamburg. Groß ist auf der anderen Seite in dieser Spielzeit die Anzahl der Teams, die entweder ihre Ziele verfehlten oder teilweise, gemessen am Potenzial, sogar enttäuschten. Zu diesen Teams gehören aus Dresdner Sicht die DJK Rimpar, der VfL Lübeck Schwartau, der ASV Hamm Westfalen, die SG BBM Bietigheim und der VfL Gummersbach. 

Die Landeshauptstädter stellen in dieser Spielzeit einige neue Zweitliga-Vereinsrekorde auf: Die beste Punktausbeute seit Zweitligazugehörigkeit (42:30 Punkte), die meisten Auswärtspunkte in einer Spielzeit (21:15), die meisten Tore in einer Spielzeit (1031) und mit 4 Spielen am Stück ohne Niederlage, auch die längste positive Serie in einer Saison. Und dies sind noch lange nicht alle neuen Dresdner Zweitligameilensteine. So gibt es auch Werte, die dem normalen Zuschauer eher verborgen bleiben, aber sehr entscheidend sind. So hatte der HC mit im Schnitt 8,6 technischen Fehlern pro Spiel, den geringsten Wert seit dem Aufstieg. 

Insgesamt spielten die Landeshauptstädter platzierungstechnisch eine sorglose Saison. Der HC präsentierte dabei oft attraktiven und schnellen Angriffshandball, welcher defensive Tugenden nicht außer Acht ließ. Mit dieser Art von Handball, die das Trainerteam Rico Göde und Kay Blasczyk seit der letzten Saison noch einmal weiterentwickelt hat, erzielte der HC einige „Ausrufezeichen-Ergebnisse“. So gewann man bspw. beim TuS-N Lübbecke 21:27, beim ASV Hamm Westfalen 19:26, in Aue 22:35, beim VfL Lübeck Schwartau mit 18:32 und „putze“ unlängst den Meister aus Hamburger mit 37:31. Erwähnen muss man aber auch, dass die Dresdner Heimbilanz weiter eine gewisse, formulieren wir es pädagogisch, Herausforderung bleibt. Da für alle Mannschaften der weitestgehend Zuschauerverzicht der gleiche war, kann man die fehlende Unterstützung von den Rängen dabei kaum ins Feld führen. Der HC holt aus 18 Heimpartien 21:15 Punkte. Damit kann man aus Dresdner Sicht nur bedingt zufrieden sein. Vor allem die sehr starke Auswärtsbilanz ließ die Sachsen ab Spieltag 18 dauerhaft in den Top-6 verweilen. 

Eines merkte man dem Team von Mannschaftskapitän Mario Huhnstock an: Die einmonatige Corona-Zwangspause im Zeitraum April/Mai brach den Dresdner Rhythmus und der anschließende Spiele-Marathon mit bsp. 4 Spielen in 8 Tagen kostet die Dresdner zusätzliche Kraftreserven, welche man vor allem im letzten Drittel der Saison erfahrungsgemäß weniger hat. Trotzdem brachte der HC über die ganze Saison gesehen sehr konstant seine Leistung. So konnten die Dresdner schlechte Phasen im Spiel, im Gegensatz zu den Vorjahren, weiter minimieren. Lediglich ein Spiel verlor man mit mehr als 5 Toren und hatte auch bei vielen Niederlagen, hinsichtlich der gezeigten Leistung, die Chance auf Punkte. In ein paar Jahren kann man eventuell die Saison 2020/2021 als die Spielzeit sehen, die den HC in der 2. Liga „endgültig“ etablierte. 

Auch wenn Handball ein Mannschaftssport ist, gab es beim HC natürlich handballerische Leistungsspitzen. Allen voran ist hier Spielmacher Sebastian Greß zu nennen. Der zu den besten Feldtorschützen der Liga gehörende Mittelmann, spielte seine bisher beste HC-Saison. Aus Dresdner Sicht gehört er bei einer Wahl zum Zweitligaspieler der Saison unbedingt mit in die engere Auswahl. Rico Göde bezeichnete Greß, der eine Kombination aus Wurf- und Passverhalten wie nur wenige Spieler in der 2. Liga hat, als „Motor der Mannschaft“. Daneben muss man den Dresdner Top-Torschützen Rechtsaußen Lukas Wucherpfennig erwähnen. Der vor der Saison von Coburg nach Dresden gewechselte Außenspieler war neben Christian Schäfer und Peter Strosack einer besten Rechtsaußen der Liga. Dabei brachte der Linkshänder den HC in zwei wichtigen Kategorien richtig nach vorn, nämlich bei der Siebenmetertorquote (83 Prozent verwandelte Strafwürfe) sowie im Bereich der Effektivität beim Konterspiel. Auffällig im Angriff agierte zudem oft Kreisspieler Jonas Thümmler, der sicher mit zu den besten Kreissielern der Liga gehörte. In der Defensive war Philip Jungemann bei den Sachsen der auffälligste Spieler, da er vor allem im Spiel Mann gegen Mann herausstechende Qualitäten hat. Nicht zu vergessen natürlich Torwart und Mannschaftskapitän Mario Huhnstock, der in dieser Saison die beste Spielzeit für den HC hinlegte und in der 2. Liga 2020/2021 zu den Top-Keepern zählte. 

Am Ende wollten wir einmal etwas Anderes machen und von HC-Trainer Rico Göde wissen, was er zu der einen oder anderen „Saisonthese“ sagt. 

 

These 1: Die Liga war rein sportlich nicht so stark wie in den letzten Jahren und trotzdem war es die schwerste Saison seit Jahren.

Rico Göde: „Das mit der sportlichen Stärke der Liga ist sehr schwer zu beantworten. Es gab vielleicht Mannschaften bei den die Coronaumstände gewisse Stärken abgesenkt haben. Beispiele wären Bietigheim und mit Abstrichen auch noch Hamm. Es gibt aber eben auch Teams, die haben gewisse Umstände vielleicht noch stärker gemacht, weil das Team noch mehr zählte. Das Paradebeispiel ist für mich der EHV Aue und auch bei uns hat man gemerkt, dass diese besonderen Gegebenheiten das Team sehr zusammengeschweißt haben. Auch muss man sagen, dass für viele Teams die durch Corona veränderten Bedingungen halbwegs gleich schwer waren und ja, es war dadurch eine schwere Saison für alle.“

 

These 2: Dass der HC „Best of the rest“ ist, ist keine Überraschung, denn die Mannschaft hat „nur“ ihr Potenzial ausgeschöpft.

Rico Göde: „Unsere Entwicklung ist nicht selbstverständlich. Ja wir haben Potenzial, aber das wir 10 Plätze besser sind als in der Spielzeit davor, das ist schon etwas Besonderes. Die 42 Punkte sind eine Hausmarke für ein Team, was vorher immer gegen den Abstieg gespielt hat. Zudem hatten auch viele andere Teams Potenzial auf eine gute Platzierung.“

 

These 3: Mit Zuschauern in den gegnerischen Hallen, wäre die HC Auswärtsbilanz so nicht möglich gewesen und auch nicht die guten Bilanzen anderer Teams.

Rico Göde: „Also ohne Zuschauer klappten natürlich Absprachen auf dem Feld viel besser. Auch in den heißen Spielphasen. Man konnte sich als Auswärtsteam untereinander gut pushen und als Heimteam fehlte sozusagen der Push von den Rängen in engen Situationen. Auf der anderen Seite motiviert es viele Spieler im Gastteam eventuell zusätzlich, wenn auswärts Druck von den Rängen kommt.“

 

These 4: Sebastian Greß ist der MVP der Zweitligasaison.

Rico Göde: „Für mich ist Sebastian Greß unser Motor und ein schon sehr kompletter Spieler. So komplette Spieler gibt es in der Liga nicht viele. Er ist wurfstark und trifft zudem viele wichtige Entscheidungen auf dem Feld, die seine Mitspieler dann zu Torerfolgen nutzten können. Er hat eine gute Übersicht. Zudem hat er auch teilweise auf der Halbposition gedeckt. Neben ihm gibt es aber natürlich auch noch andere Kandidaten.“

 

These 5: Wir hätten in dieser Spielzeit, ohne Corona, einen Zuschauerschnitt von über 2000 gehabt.

Rico Göde: „Ja, ich glaube das wäre möglich gewesen. Wir haben eine sehr gute Vorbereitung gespielt. Man hat schon im Vorfeld der Saison gemerkt, dass das Interesse noch größer war als in den letzten Jahren. Wenn man unser Auftreten in der Saison noch mit einrechnet, dann glaube ich, wäre die Halle oft sehr gut gefüllt gewesen.“

Wolfram Wegehaupt

 

 

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