Verdiente Heimniederlage gegen Krefeld
[30. Spieltag] HC Elbflorenz Dresden vs. HSG Krefeld Niederrhein 27:28 (14:16)
Aufstiegs- gegen Abstiegsrennen so betitelte der Dresdner Pressesprecher Michael Lorenz die Partie auf der PK vor dem Spiel. Nach dem Spiel war eines dieser Rennen keines mehr. Und während der eine Trainer nach der Partie von „goldenen Punkten“ sprach, sprach der andere vom „letzten ganz großen Schlag“ im Blick auf die eigenen Ambitionen.
Wer den besseren Start ins Spiel hatte, war beim 2:6 aus Dresdner Sicht nach knapp neun Minuten klar: Es war die HSG Krefeld. Die Gäste hatten dies ihrem spanischen Keeper Pau Guitart zu verdanken, der gleich mehrfach bravourös parierte, sowie dem Umstand, dass man im Spiel Sieben-gegen-Sechs sehr effizient agierte. Die Hausherren brauchten nur etwas mehr als drei Minuten, um das 2:6 zu egalisieren. Verantwortlich dafür war nun der Dresdner Keeper Robin Cantegrel, der mehrere Paraden in Serie zeigte. Beim 6:8 nahm Cheftrainer André Haber dann eine Auszeit.
Nach dem 6:6 hatte der HC Elbflorenz einen erneuten Bruch im Spiel. Auch in dieser Phase traf der HC Elbflorenz im Übrigen das leere Tor des Gegners nicht. Dass es in der 19. Minute weiterhin nur ein Zwei-Tore-Vorsprung für Krefeld war, hatten die Sachsen ihrem Keeper Robin Cantegrel zu verdanken. Der Gast aus Krefeld, der vor allem stark über den Kreis agierte, ließ jedoch nicht lange auf sich warten und baute die Führung auf 7:11 und 8:12 aus. Auffällig war bis dahin die ungenügende Dresdner Wurfqualität sowie eine Gästedefensive, die durchaus zu überzeugen wusste.
In der Schlussphase der ersten Halbzeit nutzten beide Mannschaften ihre Angriffe unzureichend. So blieb es bei der Führung der HSG Krefeld bis zur Pause (14:16). Rechnet man ein, dass die Chancen, die die Krefelder im Positionsangriff vergaben, im Schnitt eine höhere Qualität hatten als die der Dresdner, war das Ergebnis aus Sicht der Hausherren noch in Ordnung. Die HSG hätte durchaus höher führen können.
Der HC Elbflorenz erspielte sich zu Beginn der zweiten Halbzeit drei sehr gute Chancen, nutzte jedoch nur eine. Zweimal scheiterte man am Gästeschlussmann Pau Guitart. Die HSG blieb ihrerseits ihrer Taktik treu, im Sieben-gegen-Sechs zu agieren, wirkte dabei jedoch etwas fehleranfälliger als im ersten Durchgang. Beim 17:17 durch Sebastian Greß hatten die Dresdner erstmals den Ausgleich hergestellt. Die Möglichkeit zum 18:17 vereitelte erneut Krefeld-Keeper Guitart. Er ermöglichte es den Gästen, sich die Führung zurückzuholen (17:19), und schien in dieser Phase nahezu unüberwindbar. Beim 17:20 nahm André Haber eine Auszeit, da seiner Mannschaft die Sicherheit im Spiel fehlte.
Nach der Auszeit traf jedoch zunächst der Gast – interessanterweise ins leere Dresdner Tor, da die Sachsen nun selbst durchgehend im Sieben-gegen-Sechs agierten, sich dabei jedoch ein Fehlabspiel leisteten. Jonas Thümmler war es schließlich, der vom Kreis nach fast zehn torlosen Minuten des HC Elbflorenz zum 18:21 traf. Doch immer wieder, wenn die Dresdner durch ein oder zwei gute Aktionen besser ins Spiel zu kommen schienen, konterte die HSG nervenstark mit eigenen Treffern. Beim 20:25 per Strafwurf ging es in die letzten zehn Minuten, und Haber musste seine letzte Auszeit nehmen.
Nach der Auszeit trafen jedoch erneut nicht die Hausherren, sondern die Gäste – mit einem wuchtigen Rückraumtreffer von Robert Krass. Damit führte die HSG mit sechs Toren (20:26). Das Team zog seine Sieben-gegen-Sechs-Taktik konsequent weiter durch. Beim 24:27 verkürzten die Dresdner den Rückstand, woraufhin Krefelds Trainer Schmetz gut sechs Minuten vor dem Ende eine Auszeit nahm. In der Folge ließ der HC Elbflorenz zweimal die Chance zum 25:28 liegen, unter anderem per Konter. Der Gast nutzte seine Gelegenheit und stellte auf 25:28. Das Spiel schien entschieden.
Die Dresdner gaben jedoch nicht auf und schafften, womit kaum noch jemand gerechnet hatte: Sie verkürzten auf 26:28 und stellten auf Manndeckung um. Der HC Elbflorenz gewann in der Folge noch zweimal den Ball und kam auf 27:28 heran, schaffte es nach dem letzten Ballgewinn jedoch nicht mehr, den Ausgleich zum 28:28 zu erzielen. Zweimal war dabei erneut der überragende Mann des Spiels zur Stelle: Pau Guitart. Am Ende standen für ihn unglaubliche 19 Paraden zu Buche.
Fazit: Schon oft hatte die HSG zwei Punkte in dieser Saison in der Schlussphase aus der Hand gegeben, diesmal nicht! Die HSG Krefeld wahrt mit dem verdienten Sieg in Dresden die Chance auf den Klassenerhalt und begräbt zugleich sehr wahrscheinlich die letzten Aufstiegsambitionen des HC Elbflorenz. Die Sachsen ließen an diesem Tag sehr viele Chancen ungenutzt und fanden nie wirklich in ihren Rhythmus. Nur 20 Tore nach 50 Minuten sind ein bezeichnender Wert für den sonst so angriffsstarken HC Elbflorenz. Die 2.460 Zuschauer standen über die gesamten 60 Minuten hinter ihrer Mannschaft und gaben bis zur letzten Sekunde alles – auch sie haben sich neben HSG-Keeper Guitart ein Sonderlob verdient. Ganz nebenbei: Der Spanier ist seit seiner Verpflichtung vor der Rückrunde bis hier hin wohl der beste Keeper der Liga.
Mit 44:16 Punkten steht der HC damit weiterhin auf Platz 3 der Tabelle.
Malwitz/Cantegrel (beide Tor) Pehlivan 1, Greß 6, Dierberg 4/2, Thümmler 3, Seidler 3, Wucherpfennig , Bensch 3, Preußner 3, Aktas , Pichiri , Dutschke 1, Stoyke, Löser 3, Schmelzer
Cheftrainer André Haber zeigte sich nach der Partie enttäuscht wie selten: „Wir halten den Gegner trotz Sieben-gegen-Sechs bei 59 Angriffen bei 28 Toren, verwerfen aber selbst 31 Bälle. Das habe ich so noch nicht erlebt. Das war der letzte ganz große Schlag gegen uns im Blick auf das Aufstiegsrennen. Ich war heute nach dem Spiel so konsterniert und traurig, dass ich vergessen hatte, dass meine Frau in der Halle war. Daran kann man auch ablesen, wie es mir nach diesem Spiel geht. Ich habe bis zuletzt daran geglaubt, dass wir das Spiel noch positiv gestalten können. Beim 17:17 haben wir eine freie Chance und machen diese nicht rein. Wenn wir in Führung gehen, verändert sich das Spiel vielleicht noch mal. Aber wir haben heute irgendwann die Nackenschläge nicht mehr verkraftet, auch wenn wir am Ende noch einmal herangekommen sind. Wir haben im ganzen Spiel immer wieder Chancen kreiert, auch in den Phasen nach den Auszeiten, die ich nehmen musste, haben sie aber heute zu wenig reingemacht.“
Text: Wolfram Wegehaupt