[1. Runde DHB-Pokal] EHV Aue vs. HC Elbflorenz Dresden (Vorbericht)
Der HC Elbflorenz
Endlich hat das Warten ein Ende für die Dresdner Fans, Verantwortlichen und Spieler. Die handballfreie Zeit ist vorbei, und zwar im Blick auf den Wettkampfbereich. Dass das erste Spiel, das etwas zählt, dann auch noch im DHB-Pokal am Sonntag 17:00 Uhr in Aue stattfindet, ist natürlich grandios. Gleich zu Beginn der Saison ein Sachsenderby – viel besser hätte man es sich nicht wünschen können. Kurze Fahrtstrecke, eine sehr wahrscheinlich gut gefüllte Halle, verbunden mit Derbystimmung, sowie eine sportlich reizvolle Aufgabe gegen einen der Drittliga-Aufstiegsfavoriten.
Mannschaftskapitän Sebastian Greß sieht es genauso: „Wir freuen uns natürlich sehr auf das erste Pflichtspiel der Saison. Das Pokalspiel in Aue ist auch direkt was ganz Besonderes und es ist großartig, dass wir dieses Jahr dieses Duell spielen können. Es wird sicher wie immer gegen Aue ein hitziges Spiel. Wir sind bereit, 60 Minuten gemeinsam zu kämpfen, um in die nächste Runde einzuziehen und dieses Jahr hoffentlich wieder ein paar großartige Pokalabende zu erleben.“
Dass der HC Elbflorenz Pokal kann, zeigte er in der letzten Saison, als er den Erstligisten aus Hamburg aus dem Pokal kegelte. Den EHF-European-League-Gewinner MT Melsungen hatte man ganz nah an einer Niederlage und musste sich erst in der Verlängerung geschlagen geben. In diesem Sinne wollen die Dresdner in Aue einen weitere erfolgreiche DHB-Pokal-Saison starten. Dabei kann der HC Elbflorenz im Erzgebirge mit zahlreicher Unterstützung der eigenen Fans rechnen.
Der EHV Aue
Aue liegt im sächsischen Erzgebirge, rund 30 Kilometer südwestlich von Chemnitz und ca. 90 bis 100 Autominuten von Dresden entfernt. Die Stadt hat gut 19.000 Einwohner. Die Region ist historisch stark vom Bergbau geprägt. Handballerisch geprägt hat die Region der EHV Aue.
Der Erzgebirgische Handballverein (EHV) blickt auf eine Handballtradition zurück, die 100 Jahre bis 1926 reicht. Zu DDR-Zeiten spielte die Mannschaft als BSG Wismut Aue über viele Jahre in der höchsten Spielklasse. Nach der Wiedervereinigung gehörte der EHV jahrzehntelang zum Inventar der 2. Handball-Bundesliga und galt lange als deren „Dino“. Seit 2022 ist aber eher Liga 3 die Handballrealität im Erzgebirge. So stieg man 2023 zwar nach einer Saison in Liga 3 wieder in die 2. Liga auf, dann aber sofort wieder ab. So spielt man seit der Saison 2024/2025 in der 3. Liga. Seit Uwe Jungandreas im Sommer 2025 das Traineramt übernahm, stabilisierte sich der EHV Aue deutlich. 2025/26 wurde Aue Staffelsieger, verpasste in der Aufstiegsrunde mit 4:4 Punkten jedoch knapp die Rückkehr in die 2. Bundesliga.
Für die Saison 2026/2027 gilt man als einer der Aufstiegskandidaten für die 2. Liga. Seine Heimspiele trägt der Verein in der Erzgebirgshalle im benachbarten Lößnitz aus.Aus der Vorbereitung ist die Stärke des EHV schwer abzulesen. Einem deutlichen Sieg gegen Aufsteiger und Drittligist Delitzsch standen bspw. klare Niederlagen gegen den Top-Aufstiegsfavoriten aus Liga 2 Leipzig und den deutschen Meister Magdeburg gegenüber. Gegen den Erstligisten aus Eisenach hielt man wiederum trotz Niederlage lange gut mit.
Der Kader des Gegners
Der EHV verfügt für Drittligaverhältnisse über einen stark besetzten und erfahrenen Kader. Zu den Schlüsselspielern zählen Paul Bones (Rückraum Mitte), Francisco Pereira (Rechtsaußen) und Routinier sowie Vereinslegende Kevin Roch (Linksaußen). Besagter Bones schenkte in der Vorbereitung dem Erstligisten ThSV Eisenach in einem Spiel bspw. 15 Tore ein. Im Sommer wurde die Mannschaft zudem gezielt verstärkt. Florian Billepp und der erst 19-jährige Nick Volmert bilden das neue Duo im rechten Rückraum, am Kreis kam mit Hendrik Hanemann ein körperlich starker Spieler aus Hildesheim hinzu. Besonders interessant aus Dresdner Sicht ist Justin Döbler (linker Rückraum), der 2025 vom HC Elbflorenz nach Aue wechselte. Insgesamt dürfte der EHV damit auch in dieser Saison zu den stärksten Mannschaften der 3. Liga und den Aufstiegskandidaten zählen. Entsprechend groß ist auch beim HC Elbflorenz der Respekt vor dem Gegner.
Cheftrainer André Haber sagt: „Wir nehmen die Favoritenrolle an, das müssen wir mit unseren Ansprüchen tun. Wir haben großen Respekt vor dem, was in Aue entsteht. Aber wir fahren dorthin und wollen gewinnen. Das ist nur alles wenig wert, wenn angepfiffen wird. Dann muss man das wieder nachweisen.“
Trainiert wird das Team, wie schon erwähnt, von Uwe Jungandreas, einer mitteldeutschen Trainerikone. Uwe Jungandreas prägt den mitteldeutschen Handball seit mehr als drei Jahrzehnten. Seine Trainerlaufbahn begann 1990 in Freiberg, anschließend führte er Delitzsch während seiner 13-jährigen Amtszeit sensationell bis in die 1. Bundesliga. Später gelang ihm mit dem SC DHfK Leipzig der Aufstieg in die 2. Bundesliga, ehe er unter anderem beim SC Magdeburg tätig war. Mehr als zehn Jahre prägte er anschließend den Dessau-Roßlauer HV, den er zweimal in die 2. Liga führte. 2022/23 wurde Jungandreas dort zum Trainer der Saison der 2. Bundesliga gewählt.
Text: Wolfram Wegehaupt