Die Top-Begegnung des 25. Spieltags
[25. Spieltag] HSG Nordhorn-Lingen vs. HC Elbflorenz Dresden (Vorbericht)
Der HC Elbflorenz
Der HC Elbflorenz hatte bis zum Spiel am Freitagabend in Nordhorn zwölf Tage lang kein Ligaspiel. Verantwortlich dafür war die Länderspielpause. Lediglich Doruk Pehlivan und Ediz Aktaş hatten keine spielfreie Zeit, da sie mit der türkischen Nationalmannschaft unterwegs waren. Vor allem Doruk Pehlivan stach in den Spielen der Türkei gegen Rumänien mit guten Leistungen heraus. Der Rest der Mannschaft konnte hingegen kurz ein paar Tage durchatmen. Anschließend arbeitete das Team in den Bereichen Kraft, Ausdauer und natürlich Handball. Die Nationalspieler sowie verletzte oder angeschlagene Akteure absolvierten dabei ein individuelles Programm. Teilweise hatte der Kader des HC Elbflorenz in der Vorbereitung auf das kommende Spiel mit kleineren Blessuren und weiteren Herausforderungen zu kämpfen. Cheftrainer André Haber hofft jedoch, auf die Mannschaft aus dem letzten Heimspiel gegen Coburg zurückgreifen zu können. Mit dem Spiel gegen die HSG trifft Dresden erneut auf ein Spitzenteam. Damit sind die Dresdner das einzige Team aus den Top 6, das nach dem Nordhorn-Spiel alle Partien gegen die Spitzengruppen-Teams absolviert hat. André Haber betonte im Hinblick auf die zusätzliche Belastung der Nationalspieler sowie die Gesamtsituation vor dem Spiel: „Wir kümmern uns, wie schon in den letzten Jahren, gut um unsere Jungs. Wir tun alles dafür, dass wir am Freitag in der Lage sein werden, in Nordhorn die Punkte zu holen.“
Linksaußen und HCE-Dauerbrenner Julius Dierberg sagte vor der Partie: „Die HSG Nordhorn-Lingen ist eine Mannschaft, die immer zum Kreis der Top-Teams gehört. In ihren Heimhallen sind sie schwer zu bespielen, weil das Publikum traditionell ein gutes Gespür für das Spiel hat und viel Druck ausüben kann. Außerdem haben sie einige Spieler im Team, die jedem Spiel ihren Stempel aufdrücken können. Wir haben in der Länderspielpause den Fokus darauf gelegt, unser Tempospiel wieder etwas zu verbessern, und daran gearbeitet, unsere Fehlerquote im Angriff und in der Abwehr zu minimieren. Gleichzeitig hatten wir auch Zeit, einmal durchzuschnaufen und neue Kraft zu tanken. Ich denke, es war ein guter Mix aus Belastung und Erholung, sodass wir gut gewappnet in die nächsten Wochen gehen können.“
Allgemeine Einordnung des Gegners
Die HSG Nordhorn-Lingen ist ein traditionsreicher Verein an der deutsch-niederländischen Grenze. Die nächste Großstadt, Münster, ist rund 65 Kilometer entfernt. In der niedersächsischen Stadt Nordhorn mit etwa 55.000 Einwohnern hat Handball seit Jahrzehnten einen hohen Stellenwert. Die 1. und 2. Liga sind seit langem das „natürliche“ Umfeld des Vereins. Die HSG war bereits deutscher Vizemeister und konnte den EHF-Pokal gewinnen. Als Spielstätte dient den Nordhornern das Euregium. Im Schnitt besuchen fast 2.100 Zuschauer die Spiele der HSG.
Die bisherige Saison des Gegners
Wie der HC Elbflorenz sorgte auch die HSG Nordhorn-Lingen in der zweiten Runde des DHB-Pokals für Aufsehen. Während Dresden den Erstligisten HSV Hamburg aus dem Wettbewerb warf, bezwang Nordhorn den HC Erlangen – ebenfalls ein Team aus der 1. Bundesliga. Damit standen beide Mannschaften verdient im Achtelfinale: Der HC Elbflorenz verlor dort dramatisch gegen den Erstligisten aus Melsungen, während die HSG gegen den derzeitigen Tabellenletzten der 1. Liga, den SC DHfK Leipzig, ausschied. Aktuell belegt Nordhorn mit 30:18 Punkten den sechsten Tabellenplatz. Lange mischte die HSG im Kampf um die Top-3-Plätze mit. Zuletzt verlor man jedoch in Bietigheim sowie in Potsdam und zudem zuhause gegen Balingen, wodurch der direkte Kontakt zur Spitzengruppe etwas abgerissen ist. Vor allem die 23:34-Niederlage in Potsdam dürfte dabei besonders geschmerzt haben. Bei einer Niederlage gegen den HC Elbflorenz müsste man die Hoffnungen auf eine Top-3-Platzierung wohl endgültig begraben. Interessant ist zudem: Das Hinspiel gewann der HC Elbflorenz mit 34:22. Anschließend startete die HSG eine Serie von zehn ungeschlagenen Spielen. Die HSG ist somit ein Spitzenteam mit hoher Qualität, zeigt jedoch gelegentlich auch Leistungsschwankungen.
Kader des Gegners
Unter Trainer Mark Bult, der das Team vor der vergangenen Saison von Daniel Kubes übernahm, hat sich die HSG zu einer weitgehend eingespielten Einheit entwickelt. Allerdings musste das Team im Saisonverlauf immer wieder personelle Rückschläge verkraften. Auf der Spielmacherposition bilden Elmar Erlingsson und Björn Zintel normalerweise ein gut abgestimmtes Duo aus Dynamik und Erfahrung. Zuletzt fiel Zintel jedoch länger verletzt aus und auch Erlingsson zog sich eine Verletzung zu. Zudem sorgte Kreisläufer Mika Sajenev für Stabilität in der Abwehr, wechselte jedoch im Januar vorzeitig zum Erstligisten GWD Minden. Frieder Bandlow, aktuell mit 142/40 Treffern bester Torschütze seines Teams, hat sich in den letzten beiden Jahren zu einem echten Leistungsträger entwickelt und prägt derzeit das Zweitliganiveau auf der halbrechten Position. In der kommenden Saison wird er zum HC Erlangen wechseln. Ergänzt wird das Team durch erfahrene Kräfte wie Maximilian Lux auf Rechtsaußen sowie den im Wurf und im Eins-gegen-eins starken Tarek Marshall.
Die HSG Nordhorn-Lingen steht für schnellen Handball – sowohl im Tempospiel als auch im strukturierten Positionsangriff. Defensiv setzt das Team von Mark Bult meist auf eine kompakte 6:0-Formation. Zeitweise agiert die HSG jedoch auch mit einer offensiven Deckung, bei der drei Spieler den Gegner früh an der Mittellinie attackieren. Auch das Spiel sieben gegen sechs gehört zu den am häufigsten genutzten taktischen Mitteln der HSG in der Liga. André Haber bezeichnete den Gegner vor dem Spiel als „Spitzenmannschaft mit einem klar erkennbaren Plan.“
Text: Wolfram Wegehaupt