Crunchtime wird zur Dresdner Spezialität
[29. Spieltag] TuSEM Essen vs. HC Elbflorenz Dresden 32:33 (15:15)
Beim HC Elbflorenz musste man in Essen weiter auf Ivar Stavast verzichten, zudem fiel nun auch der zuletzt starke Viktor Norberg aus. Dafür kehrte Timo Löser zurück. Für die abstiegsbedrohten Essener war das Spiel ebenso wichtig wie für die Dresdner, die weiter Druck auf die Top 2 ausüben wollen.
Beide Teams fanden schnell Lösungen im Tempo- und Positionsspiel, sodass sich früh ein ausgeglichenes Spiel mit dominanten Angriffsreihen entwickelte. Aktivposten im rechten Rückraum waren Alexander Schoss (Essen) und Anton Preußner (Dresden). Beim 9:9 ging es in das letzte Drittel der ersten Halbzeit.
Dort tat sich der HC Elbflorenz schwerer im Abschluss, während der TuSEM etwas stabiler blieb und beim 12:10 erstmals mit zwei Toren führte. Der HC Elbflorenz glich – auch dank besser genutzter Überzahl – schnell wieder aus und erzielte das 12:12 und weit später im Sieben-gegen-Sechs das 13:13. Essen setzte die Abwehr weiter mit Eins-gegen-eins unter Druck und hatte mit Finn Knaack den in der 1. Halbzeit stärken Rückhalt im Tor. Nach dem 14:15 durch Oliver Seidler nahm Trainer Kenji Hövels eine Auszeit. Kurz darauf traf Felix Mart per Siebenmeter zum 15:15-Pausenstand – Ausdruck eines ausgeglichenen Spiels, in dem Dresden defensiv zulegen musste.
Auch nach der Pause prägten Einzelspieler das Geschehen: Doruk Pehlivan traf für den HC Elbflorenz nahezu nach Belieben, während Max Neuhaus und Nils Homscheid die Dresdner Abwehr forderten. Dennoch setzte sich Dresden zwischenzeitlich auf 23:25 (44.) ab, ließ zunächst eine Konterchance liegen, traf dann aber nach Ballgewinn zum 23:26. Innerhalb dieser Phase bekam Kapitän und Vielspieler Sebastian Greß eine Pause und Timo Löser übernahm in der Mitte.
Der TuSEM war aber keineswegs aus dem Spiel und kämpfte sich wieder heran. Beim 28:29 begann so die Schlussphase. Nach einer Phase mit vielen vergebenen Chancen stellte Greß auf 28:30, ehe der HC Elbflorenz in Unterzahl geriet. Zwei vergebene Großchancen später glich Mart in Überzahl zum 30:30 aus und die Hausherren waren endgültig wieder voll im Spiel.
Die Schlussminuten wurden dramatisch: Nach technischem Fehler des HC Elbflorenz parierte Marino Mallwitz den Essener Konter zur 31:30-Führung. Pehlivan traf zweimal, doch Essen glich im Sieben-gegen-Sechs jeweils zum 31:31 und 32:32 aus. Dann die Entscheidung: Eine Sekunde vor Schluss erhielt der HC Elbflorenz nach langer Beratung einen Strafwurf. Der 20-jährige Louis Bensch verwandelte eiskalt und wurde zum Matchwinner. Er entstammt der Jugendarbeit des HC Elbflorenz und hatte erst vor ca. einem Jahr sein erstes Tor in der 2. Liga erzielt. Bensch zeigte starke Nerven und wird diesen Moment wahrscheinlich nicht mehr vergessen.
Fazit: Den entscheidenden Strafwurf verursachte die Essener Bank – nach der letztendlichen Einschätzung der Schiedsrichter, hatte Essen in Person des Essener Co-Trainers, die Auszeit zu früh genommen. Dies wurde als Verhinderung einer klaren Torchance gewertet. TUSEM vermerkte nach dem Spiel einen Einspruch gegen die Spielwertung, welcher in einem bestimmten Zeitraum nun noch begründet werden muss. Ein Remis wäre für beide Teams durchaus verdient gewesen. Trotz laut Oliver Seidler eines nur zu 60 Prozent erfüllten HCE-Matchplans überzeugten beide Mannschaften mit Einsatz und Kampfgeist. Wer diesen Sieg in Essen nicht richtig einschätzen kann, der sei daran erinnert, dass der Tabellenführer aus Bietigheim unlängst in Essen Remis gespielt hatte. Die Essener Enttäuschung nach dem Spiel ist auch angesichts der gezeigten Leistung, des Zustandekommens der Niederlage sowie der Tabellensituation mehr als verständlich. Erfreulich aus Dresdner Sicht war der erstmalige Einsatz von Timo Löser nach Verletzung. Er steuerte ein Tor zum Sieg bei.
Der HC Elbflorenz bestätigte erneut seine Stärke in der Crunchtime – auch einen solchen Strafwurf nach langer Unterbrechung muss man erst einmal sicher verwandeln. Damit bleiben die Dresdner mit 44:14 Punkten auf Platz 3. Für die Sachsen ist das jetzt schon ein neuer Punkterekord, denn die bisherige Bestmarke stand bei 42 Punkten.
Malwitz/Cantegrel (beide Tor) Pehlivan 11, Greß 5, Dierberg 3/1, Thümmler , Seidler 5, Wucherpfennig , Bensch 3/1, Preußner 4, Aktas 1, Pichiri , Dutschke, Stoyke, Löser 1
Cheftrainer André Haber zum Spiel: „Mit so einer Entscheidung wie am Ende bin ich schon mal mit null statt mit einem Punkt nach Hause gefahren. Heute haben wir das Spiel natürlich auch etwas glücklich gewonnen. Ich finde wir kommen in beide Halbzeiten gut in unser Angriffsspiel. Allerdings finden wir nicht in unsere Deckung, vor allem in der Mitte gegen die Rückraumspieler des TuSEM. Ich freue mich für Louis, dass er den letzten Strafwurf reinmacht. Ich habe zuvor mit den in Frage kommenden Schützen gesprochen und sie haben mir gesagt, dass sie heute nicht so ein gutes Gefühl für diese letzte Situation haben. So hat Louis heute diese Verantwortung übernommen. Unser Trainer des Juniorteams Gonzalo Tajuelo hatte mir schon mal den Hinweis gegeben, dass Louis ein guter Strafwurfschütze ist.“
Text: Wolfram Wegehaupt