[20. Spieltag] 1. VfL Potsdam vs. HC Elbflorenz Dresden 30:34 (12:14)
Der HC Elbflorenz brauchte in Potsdam zehn Minuten, um sowohl im Angriff als auch in der Abwehr ins Spiel zu kommen. So stand es in der 12. Minute aus Potsdamer Sicht 4:5. Zuvor hatten sich die Dresdner in Notsituationen mit starken Kreisanspielen „über Wasser gehalten“. Die weitestgehend jungen Potsdamer waren anfänglich besser in der Partie, leisteten sich in der Folge jedoch zu viele Fehler. Die Sachsen kamen – angefeuert von über 100 mitgereisten und lautstarken Fans – in der 17. Minute beim 5:8 zu ihrer ersten Drei-Tore-Führung. Vor allem aus dem Rückraum trafen die Gäste nun besser. Heimtrainer Emir Kurtagic nahm anschließend eine Auszeit und ermahnte sein Team zu mehr Kontakt und Härte.
In den Minuten nach der Auszeit machte es die HC-Abwehr weiterhin gut und zwang den VfL weiterhin zu Fehlern. So war es nicht verwunderlich, dass der HC Elbflorenz erstmals mit fünf Toren in Front lag (6:11). Es war Ivar Stavast, der mit einem Schlagwurf erstmalig diesen Abstand herstellte. Auffällig beim VfL war der beste Torschütze des letzten Spiels, Markus Mahr (zuletzt 11 Tore gegen Dessau), der mit seinen Aktionen zwischen Genie und Wahnsinn wandelte. Einmal gelang ihm ein überragendes Eins-gegen-eins, eine Aktion später verlor er leichtfertig den Ball. Beim Stand von 10:14 hatte der HC gleich zwei freie Chancen, auf 10:15 zu erhöhen, doch der ins VfL-Tor gewechselte Maximilian Grundmann parierte. Gleiches noch einmal beim 11:14. So gelang den Potsdamern kurz vor dem Pausenpfiff durch Mahr der Treffer zum 12:14.
Aus Dresdner Sicht war der Vorsprung damit kleiner, als es nötig gewesen wäre. Vor allem in der Defensive hatte der HC Elbflorenz ab der 10. Minute ein starkes Spiel gemacht. Bei den Potsdamern wechselten zu oft Licht und Schatten. Sie hatten es letztlich ihrem Keeper Maximilian Grundmann zu verdanken, dass es weiterhin knapp stand.
In der 38. Minute nahm VfL-Trainer Emir Kurtagic beim Stand von 16:20 seine zweite Auszeit. Das Spiel war weitgehend ausgeglichen, jedoch agierten die Potsdamer im Mittelblock zu passiv, was vor allem Sebastian Greß konsequent ausnutzte. Zudem hatte der HC Elbflorenz mit dem eingewechselten Robin Cantegrel in dieser Phase einen starken Rückhalt.
Ab der 44. Minute stellte der VfL auf eine offensive Abwehr um und hatte damit sofort Erfolg: Nach Dresdner Ballverlusten – einmal auch in Überzahl – verkürzten die Gastgeber auf 20:22. Cheftrainer André Haber reagierte mit einer Auszeit, um Lösungen gegen diese Abwehrvariante aufzuzeigen. Anschließend traf Anton Preußner per Durchbruch zum 20:23. Die Sachsen agierten nun phasenweise ohne Kreisläufer und mit vier Rückraumspielern gegen die offensive Abwehr und bauten ihre Führung beim 21:25 wieder auf vier Tore aus. Es folgte die entscheidende Phase: Der VfL gab nicht auf und kam beim 23:25 erneut in Schlagdistanz. Eine schwach ausgespielte Überzahl brachte eine klare Chance zum 24:25, doch HC-Keeper Robin Cantegrel verhinderte mit einer starken Parade den Anschluss. Im Gegenzug nutzte der HC seine Überzahl besser und traf zum 23:26 sowie nach Ballgewinn zum 23:27. Der VfL nahm daraufhin seine letzte Auszeit.
Mit 25:29 ging es in die letzten fünf Minuten. Die Potsdamer verkürzten zwar noch auf zwei Tore, der HC ließ sich jedoch von der erneut offensiven Abwehr der Gastgeber nicht aus dem Konzept bringen. Spätestens mit dem verwandelten Siebenmeter des ehemaligen Potsdamers Julius Dierberg zum 29:32 zwei Minuten vor Schluss war die Entscheidung gefallen. Am Ende gewann der HC Elbflorenz verdient mit vier Treffern Vorsprung (30:34).
Fazit: Der Sieg ist vor dem Hintergrund der Vorgeschichte hoch einzuschätzen. Die Dresdner hatten zuvor zweimal gegen potenzielle Aufstiegskandidaten verloren, während der VfL in Balingen gewonnen und ein nahezu verlorenes Spiel gegen Dessau noch ausgeglichen hatte. Zudem war Potsdam vor der Partie zehn Spiele ungeschlagen und beide Teams vor der Partie punktgleich. Der HC Elbflorenz zeigte großen Willen und die Nervenstärke eines Spitzenteams. Kapitän Sebastian Greß ragte mit neun Treffern bei zehn Versuchen heraus, und mit Robin Cantegrel hatte man in der 2. Halbzeit einen starken Rückhalt. Zudem verdienten sich die gut 100 nach Potsdam mitgereisten Dresdner Fans ein Extralob.
Mit dem Sieg steht der HC Elbflorenz nun bei 30:10 Punkten auf dem 3. Tabellenplatz. Damit ist man voll dabei im Kampf um die „tabellarischen Sonnenplätze“.
Tore: Mallwitz/Cantegrel (beide Tor), Norberg 4, Bensch, Dierberg 4/3, Pehlivan 3, Preußner 1, Stavast 1, Greß 9, Stoyke, Dutschke, Thümmler 6, Seidler 2, Wucherpfennig 4, Schwaiger
Cheftrainer André Haber sagte nach dem Spiel: „Das war ein erkämpfter und erarbeiteter Sieg. Kämpfen, kämpfen, kämpfen war heute die Maßgabe und die haben wir erfüllt. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft. Ich habe im Vorfeld zu den Jungs gesagt, dass wir uns den Sieg erarbeiten müssen. Wir wollten uns für unsere gute Vorbereitung belohnen. Wir haben als Trainerteam diese Woche in der Vorbereitung bewusst auf Lockerheit gesetzt. Mit dem Plan haben wir uns gut gefühlt und er ist aufgegangen.“
Text: Wolfram Wegehaupt