[4. Spieltag] HC Elbflorenz Dresden vs. SC DHfK Leipzig 35:37 (14:18)
Premiere in der BallsportARENA: Erstmals trafen der HC Elbflorenz und der SC DHfK Leipzig in einem Zweitligaspiel aufeinander. Beide Teams waren mit 6:0 Punkten perfekt gestartet und verfolgen das Ziel Aufstieg. Während Leipzig nach elf Jahren Bundesliga direkt zurück ins Oberhaus will, möchte der HC Elbflorenz nach Platz drei in der vergangenen Saison den nächsten Schritt gehen. Vor 2700 Zuschauern in der ausverkauften BallsportARENA war alles angerichtet für ein besonderes Sachsenderby.
Leipzig erwischt den besseren Start
Leipzig bestimmte zunächst das Geschehen. Im Angriff sorgte Matěj Klíma für viel Druck, während Tomáš Mrkva im Tor mehrfach zur Stelle war. Erst nach 4:28 Minuten erzielte Sebastian Greß aus der zweiten Welle den ersten Dresdner Treffer. Mrkva hatte nach sechs Minuten bereits drei Paraden gesammelt und großen Anteil an der frühen 4:1-Führung der Gäste.
Beim 2:6 scheiterte Dresden sogar per Strafwurf, nach zehn Minuten stand es 2:7. Leipzig spielte seine Angriffe geduldig aus, Dean Bombač gab den Rhythmus vor und verschiedene Einläufervarianten stellten die Dresdner Abwehr vor Probleme. Gleichzeitig unterband Leipzig das sonst so starke Tempospiel des HC Elbflorenz.
Gästetrainer Frank Carstens war mit dieser Phase entsprechend zufrieden: „Wir haben in den ersten 15 Minuten herausragend gespielt. Das war unsere beste Leistung bisher in dieser Saison.“ Vor allem sei es gelungen, viele der Dresdner Stärken wegzunehmen und eine starke Rückzugsabwehr zu spielen.
Danach fand der HC Elbflorenz besser in die Partie. Die Abwehr stabilisierte sich und beim 9:12 verwertete Timo Löser einen Ballgewinn im Tempospiel. Dresden stellte offensiv auf das 7 gegen 6 um und bekam beim 9:13 in doppelter Überzahl die große Chance, weiter heranzukommen.
Doch gerade diese Phase spielte der HC Elbflorenz schwach. Trotz 6 gegen 4 blieb Dresden ohne Treffer, leistete sich zwei Fehler und kassierte anschließend selbst eine Zeitstrafe. Beim 11:14 fünf Minuten vor der Pause war der HC Elbflorenz erneut dran, gab aber wieder in Überzahl den Ball ab und kassierte das 11:15 per Gegenstoß.
So rannte Dresden bis zur Pause vor allem der schwachen Anfangsphase hinterher. Der HC Elbflorenz konnte die Partie inzwischen ausgeglichener gestalten, ließ aber insbesondere in Überzahl zu viel liegen. Mit 14:18 ging es in die Kabinen.
Das 7 gegen 6 bringt den HC Elbflorenz zurück
Auch die zweite Halbzeit begann schlecht. Ein Fehlpass führte zum Gegenstoß und Lukas Binder traf zum 14:19. Kurz darauf erhöhte Leipzig in Überzahl auf 14:20. Beim 15:22 reagierte André Haber mit einer frühen Auszeit. Zuvor war Dresden erneut frei an Mrkva gescheitert und hatte unmittelbar das Tempogegentor kassiert.
Haber setzte nun konsequent auf das 7 gegen 6 – mit Erfolg. Leipzig bekam zunehmend Probleme mit der zusätzlichen Dresdner Angriffsoption und der HC Elbflorenz verkürzte auf 21:24. Frank Carstens reagierte mit einer Auszeit, die Wirkung zeigte: Leipzig setzte sich wieder ab und stoppte die Dresdner Aufholjagd. Beide Teams wechselten anschließend ihre Torhüter: Beim HC Elbflorenz kam Robin Cantegrel, bei Leipzig Anadin Suljaković für Mrkva.
Neun Tore zurück – und trotzdem noch einmal dran
Beim 23:30 in der 47. Minute schien die Partie zunehmend in Richtung Leipzig zu kippen. Dresden vergab frei vom Kreis, kassierte anschließend eine Zeitstrafe und Leipzig zog auf 23:32 davon. Vor allem Dean Bombač steuerte das Leipziger Angriffsspiel in dieser Phase sehr sicher.
Doch der HC Elbflorenz gab sich nicht geschlagen. Dresden startete einen 6:0-Lauf und brachte die BallsportARENA noch einmal zum Kochen. Über 29:33 und 30:34 kam der HC Elbflorenz weiter heran, nach dem 31:34 stellte Haber auf Manndeckung um. Rund zweieinhalb Minuten vor Schluss war die Partie plötzlich wieder offen. Eine Minute vor dem Ende vergab Dresden noch eine große Möglichkeit ins leere Leipziger Tor.
Haber hob anschließend genau diese Reaktion hervor: „Dann steht es irgendwann 32:23 und dann gibt es zwei Wege, wie das Spiel ausgeht. Das eine wäre eine Blamage und das andere ist so, wie es gekommen ist: Die Mannschaft beweist noch einmal Moral, bäumt sich mit der tollen Stimmung in der Halle auf und packt noch einmal alles in dieses Spiel.“
Für die komplette Wende war die zuvor entstandene Hypothek jedoch zu groß. Leipzig brachte den Vorsprung über die Zeit und gewann mit 37:35.
Fazit: Der HC Elbflorenz bezahlte vor allem für den schwachen Start in beide Halbzeiten und einige ungenutzte Möglichkeiten, den Rückstand entscheidend zu verkürzen. Leipzig hatte Vorteile auf der Torhüterposition und nutzte seine Überzahlsituationen konsequenter. Mit Mrkva, Klíma und Bombač hatten die Gäste zudem wichtige Faktoren auf ihrer Seite. Vor allem der tschechische Nationalspieler Klima zeigte, warum so viele Erstligisten an ihm interessiert sind.
André Haber sah den Leipziger Erfolg als verdient an: „Ich finde, heute hat die Mannschaft gewonnen, die über 45 Minuten mehr Ruhe ausgestrahlt hat und ein bisschen mehr Sicherheit hatte.“
Gleichzeitig zeigte der HC Elbflorenz in mehreren Phasen, dass er dem Bundesligaabsteiger auf Augenhöhe begegnen kann – ebenso deutlich wurde aber, dass Leipzig die Partie zeitweise klar auf seine Seite zog. Für Dresden spricht die Reaktion nach dem 23:32. „Die Moral ist intakt, die Mannschaft ist intakt. Wir haben ein tolles Team – das ist keine Floskel, sondern das ist die Wahrheit“, fasste Haber zusammen.
Der HC Elbflorenz hat nun 48 Stunden Zeit, sich auf das Pokalspiel gegen den Erstligisten aus Hamburg vorzubereiten.
HC Elbflorenz: Cantegrel, Mallwitz – Dierberg 8/6, Löser 5, Seidler 5, Petersen Norberg 4, Greß 4, Stavast 3, Fuhrmann 3, Preußner 2, Thümmler 1, Bensch, Meyer-Siebert, Bláha, Skopár, Aktaş
Text: Wolfram Wegehaupt