[10. Spieltag] HC Elbflorenz Dresden vs. TV Emsdetten (Vorbericht)
Der HC Elbflorenz
Fünf Siege in Folge, 16:2 Punkte und die Tabellenführung: Der HC Elbflorenz hat sich nach neun Spieltagen eine hervorragende Ausgangsposition in der 2. Handball-Bundesliga erarbeitet. Am Freitagabend empfangen die Dresdner den TV Emsdetten zum letzten Heimspiel vor der Länderspielpause. Die Mannschaft von André Haber möchte ihre Erfolgsserie ausbauen und dabei jene Konstanz bestätigen, die sie in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hat.
Nach fünf Ligasiegen in Folge will André Haber die aktuellen Stärken seiner Mannschaft bewahren. „Wir müssen so bleiben, wie wir gerade sind: so gierig, so hungrig, so mannschaftlich geschlossen, so ehrgeizig, so trainingsfleißig“, betont der Trainer des HC Elbflorenz vor dem Heimspiel gegen den TV Emsdetten.
Wie deutlich sich die Dresdner entwickelt haben, zeigt ein Blick auf die Torbilanz. Nach neun Spieltagen erzielt der HC Elbflorenz durchschnittlich 37 Tore pro Partie und kassiert 29 Gegentreffer. Zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison waren es noch 33 erzielte und 31 Gegentore. Auch wenn solche Vergleiche aufgrund unterschiedlicher Gegner nur bedingt aussagekräftig sind, ist die Entwicklung bemerkenswert: Die Dresdner erzielen im Schnitt rund vier Tore mehr und lassen gleichzeitig zwei Treffer weniger zu.
Wie gefestigt die Mannschaft inzwischen auftritt, zeigte zuletzt der 35:28-Auswärtserfolg in Ferndorf. Obwohl die Gastgeber mehrfach bis auf zwei Treffer herankamen, bewahrten die Dresdner die Ruhe und entschieden die Partie mit einer starken Schlussphase für sich. Ein Schlüssel waren die zahlreichen Ballgewinne in der aufmerksamen Abwehr, die immer wieder schnelle Angriffe ermöglichten. „Vor allen Dingen die Ballgewinne haben mich gefreut, weil wir die Woche über auch viel darin investiert haben, dass das gut klappt“, erklärte Haber anschließend.
Gegen Emsdetten wird es erneut darauf ankommen, die eigene Spielidee konsequent auf die Platte zu bringen. Dabei setzt der HC Elbflorenz auch auf den Rückhalt seiner Fans. Durchschnittlich rund 2.000 Zuschauer verfolgten bislang die Heimspiele in der BallsportARENA und sorgten für eine stimmungsvolle Kulisse. Auch gegen den Aufsteiger soll diese Unterstützung der Mannschaft zusätzlichen Rückenwind geben.
Allgemeine Einordnung des Gegners
Der TV Emsdetten ist zurück in der 2. Handball-Bundesliga. Von einem typischen Aufsteiger kann allerdings kaum die Rede sein. Der traditionsreiche Verein aus dem Münsterland gehörte über viele Jahre der zweithöchsten Spielklasse an und schaffte 2013 sogar den Sprung in die Bundesliga. Nach dem Abstieg 2022 gelang im Sommer 2026 über die Aufstiegsrunde die Rückkehr.
Für die neue Herausforderung hat Emsdetten einen Kader zusammengestellt, der auf zahlreichen Positionen mit erfahrenen Spielern besetzt ist. Die individuelle Qualität ist damit durchaus vorhanden, um auch etablierte Zweitligisten vor Probleme zu stellen. Unter Trainer Lennart Lingener verfolgt der Verein das Ziel, sich möglichst schnell wieder in der Liga zu etablieren.
Die bisherige Saison des Gegners
Mit 5:13 Punkten aus neun Spielen verlief die bisherige Saison für Emsdetten wechselhaft. Auf bemerkenswerte Erfolge folgten immer wieder Rückschläge. Zuletzt blieb der Aufsteiger fünf Ligaspiele in Folge ohne Sieg.
Dass der TVE auch gegen starke Gegner bestehen kann, bewies er beim überraschenden 37:34-Auswärtserfolg gegen den damaligen Tabellenführer Eintracht Hagen. Im DHB-Pokal sorgte Emsdetten zudem mit einem 36:33 gegen Erstligist ThSV Eisenach für Aufsehen. Gegen die HSG Nordhorn-Lingen erkämpfte sich die Mannschaft ein 34:34-Unentschieden.
Zuletzt fehlte allerdings die nötige Konstanz. Nach der 25:32-Niederlage beim zuvor noch sieglosen TuSEM Essen musste sich Emsdetten am vergangenen Sonntag auch dem TSV Bayer Dormagen vor heimischer Kulisse mit 28:30 geschlagen geben. Damit holte der TVE aus den letzten fünf Ligaspielen lediglich einen Punkt.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen zwei Seiten des Aufsteigers: eine Mannschaft, die mit ihrer Qualität selbst Spitzenteams schlagen kann, der es bislang aber nicht gelingt, dieses Leistungsvermögen regelmäßig abzurufen.
Das Personal des Gegners
Der TV Emsdetten verfügt über einen erfahrenen und individuell gut besetzten Kader. Trainer Lennart Lingener setzt auf temporeichen Handball, der auf einer kompakten, körperbetonten Abwehr und schnellem Umschaltspiel aufbaut.
Im Rückraum übernimmt Björn Zintel als Spielmacher eine zentrale Rolle. Mit Niclas Heitkamp, dem wurfstarken Linkshänder Andre Meuser und Bjarne Budelmann, dem bislang besten Vorlagengeber des Teams, stehen weitere erfahrene Akteure zur Verfügung. Rechtsaußen Yannick Terhaer ist mit 63 Treffern, davon 31 Siebenmetern, der erfolgreichste Torschütze der Mannschaft. Am Kreis ist Marcel Timm eine wichtige Anspielstation und übernimmt zugleich eine zentrale Rolle in der Defensive.
Auch auf der Torhüterposition ist Emsdetten stark besetzt. Mit Oliver Krechel und Paul Dreyer verfügt der TVE über zwei erfahrene Schlussmänner. Besonders Dreyer machte mit guten Leistungen und seinen Qualitäten als Siebenmeterkiller auf sich aufmerksam.
Einen schweren Rückschlag musste Emsdetten auf Linksaußen hinnehmen. Der österreichische Nationalspieler Eric Damböck erlitt gegen Nordhorn-Lingen einen Kreuzbandriss und fällt langfristig aus. Als Ersatz holte der Verein Marc Esche zurück, der ab dem Auswärtsspiel in Dresden wieder zur Verfügung stehen soll. Gemeinsam mit Ben Beekmann soll er die entstandene Lücke schließen.
Wie wirkungsvoll das Emsdettener Angriffsspiel sein kann, zeigte der Erfolg in Hagen. Dort stellte der TVE die gegnerische Abwehr mit seinem druckvollen Rückraumspiel und zahlreichen Einläufern immer wieder vor Probleme. Für den HC Elbflorenz wird es deshalb wichtig sein, das Tempo der Gäste zu kontrollieren und insbesondere das Zusammenspiel zwischen Rückraum und Kreis zu erschweren.
Text: Wolfram Wegehaupt