[DHB-Pokal 2. Runde] HC Elbflorenz Dresden vs. Handball Club Hamburg 30:31 (18:14)
Der HC Elbflorenz hat die Neuauflage des Pokalduells gegen den Handball Club Hamburg hauchdünn verloren. Mit 30:31unterlagen die Dresdner dem Bundesligisten, obwohl sie über weite Strecken die bessere Mannschaft waren und zwischenzeitlich mit fünf Toren führten. Anders als gegen Leipzig war der HC Elbflorenz diesmal von Beginn an voll im Spiel. Am Ende drehten eine offensivere Hamburger Abwehr, wichtige Paraden und ausgelassene Dresdner Chancen die Partie.
Dresdens Plan geht zunächst auf
Nur rund 48 Stunden nach dem intensiven Sachsenderby zeigte Dresden von Beginn an die erhoffte Reaktion. Nach sieben ausgeglichenen Minuten stand es 3:3, ehe der HC Elbflorenz zwei Hamburger Ballverluste zum 5:3 nutzte und zunehmend die Kontrolle übernahm.
Vor allem defensiv präsentierte sich Dresden stark, gewann immer wieder Bälle und brachte sein Tempospiel deutlich besser auf die Platte als gegen Leipzig. Hamburg fand im Eins-gegen-eins kaum Räume und musste viel für seine Tore arbeiten. Genau das gehörte zum Dresdner Plan. André Haber erklärte später: „Wir wussten, Hamburg kann aufgrund der Verletzungssorgen nicht so gut wechseln und wir wollten viel Tempo machen. Das hat gut geklappt.“
Auch offensiv fand der HC Elbflorenz immer wieder Lösungen. Ivar Stavast führte gut Regie und die Zusammenarbeit mit allen drei Kreisläufern funktionierte. Beim 13:9 betrug der Vorsprung erstmals vier Tore. Hamburg blieb vor allem dank mehrerer Paraden von Robin Haug in Reichweite, ehe auch Marino Mallwitz auf Dresdner Seite wichtige Bälle entschärfte.
Mit einer verdienten 18:14-Führung ging der HC Elbflorenz in die Pause. Haber sah sogar noch mehr Möglichkeiten: „Vielleicht hätten es bei einer besseren Effizienz auch fünf oder sechs sein können.“
Das 25:20 wird zum Wendepunkt
Nach dem Seitenwechsel blieb Dresden zunächst vorne, brachte Hamburg durch einige Ballverluste aber wieder heran. Beim 21:17 verpasste der HC Elbflorenz die Chance auf fünf Tore Vorsprung, wenig später stand es 21:19. Beim 23:20 forderte Haber in seiner Auszeit: „Wir wollen die Crunchtime vermeiden. Wir müssen wieder einen Gang hochschalten und wieder mehr Tempo gehen.“
Die Reaktion kam. Timo Löser übernahm viel Verantwortung, Anton Preußner erhöhte schließlich auf 25:20. Genau dort lag für Haber später der entscheidende Moment:
„Wir hatten die Chance, das Spiel bei fünf Toren zu lassen und es mit einem guten Gefühl auf unserer Seite zu halten. Das haben wir nicht geschafft. Wir haben Hamburg eingeladen – und Hamburg hat die Einladung angenommen.“
Die Gäste stellten ihre Abwehr offensiver ein und wurden konsequenter. Preußner erklärte: „Wir haben die Zweikämpfe nicht mehr so gut gewonnen und den Ball nicht mehr so gut laufen lassen wie in der ersten Halbzeit.“
Auch Hamburgs Elias Kofler sah darin einen Schlüssel: „Wir sind in der Abwehr viel konsequenter zu Werke gegangen. Wir haben viel mehr Fouls geschafft.“ Zudem ersetzte Leon Nowottny Haug im Hamburger Tor und sollte in der Schlussphase noch eine wichtige Rolle spielen.
Hamburg nimmt die Einladung an
Beim 26:23 lag Dresden noch vorne, doch nun häuften sich die ausgelassenen Möglichkeiten. Ein Strafwurf landete an der Latte, Ballverluste ermöglichten Hamburg schnelle Gegenstöße und Nowottny steuerte wichtige Paraden bei. Aus dem Vorsprung wurde ein 26:26.
Trotzdem hielt der HC Elbflorenz dagegen. Robin Cantegrel verhinderte mit einer spektakulären Parade zunächst die erste Hamburger Führung, im Gegenzug traf Sebastian Greß zum 28:27. Dann konnte Dresden eine eigene Überzahl nicht nutzen, Hamburg machte es besser und ging beim 28:29 erstmals in Führung. Wenig später stand es 29:31.
Doch der HC Elbflorenz bekam noch seine Chancen. Louis Bensch verkürzte in Überzahl von Rechtsaußen auf 30:31. Ein vermeintliches 31:31 wurde 48 Sekunden vor Schluss wegen Stürmerfouls aberkannt. Anschließend erkämpfte sich Dresden noch einmal den Ball und hatte im Gegenstoß die große Chance auf den Ausgleich – doch Nowottny parierte.
Hamburg brachte die 31:30-Führung über die Zeit. Selbst Gäste-Trainer Torsten Jansen sprach angesichts der engen Schlussphase von „einem Stück weit Glück“ und freute sich zugleich darüber, dass sich seine Mannschaft nach dem schwierigen Saisonstart endlich für eine ordentliche Leistung belohnt hatte.
Fazit: Starker Auftritt bleibt unbelohnt
Für Dresden ist die Niederlage besonders bitter. Der HC Elbflorenz war gegen den favorisierten Bundesligisten lange das bessere Team, setzte seinen Matchplan um und führte mit fünf Toren. Als Hamburg seine Chance bekam, zeigte sich jedoch die Erfahrung des Erstligisten. Haber: „Da zeigt sich dann die Erfahrung in der Mannschaft. Hamburg war sofort da, als wir das zugelassen haben.“
In der Schlussphase entschieden Kleinigkeiten und vergebene Möglichkeiten. Genau solche Situationen sieht Haber als nächsten Entwicklungsschritt: „Die Crunchtime-Momente müssen wir lernen. Dann werden wir die richtigen Schlüsse ziehen.“ Auch Preußner sah den Unterschied ähnlich: „Am Ende war Hamburg einfach zu abgezockt. Dafür spielen sie eben auch in der ersten Liga.“
Für Hamburg war der Erfolg nach dem schwierigen Saisonstart enorm wichtig. „Wir haben einfach mal einen Sieg gebraucht. Der Sieg war für die Moral und für uns selbst extrem wichtig“, sagte Kofler.
Dem HC Elbflorenz bleibt kaum Zeit zum Nachdenken. Bereits am Samstag wartet in Hamm die nächste Aufgabe. Preußner: „Heute können wir traurig sein, morgen vielleicht auch noch ein bisschen. Aber dann beginnt die Trainingswoche wieder, und der Fokus liegt auf Hamm.“
HC Elbflorenz: Cantegrel, Mallwitz (beide Tor) – Löser 7, Greß 4, Seidler 3, Thümmler 3, Bensch 2, Meyer-Siebert 2, Preußner 2, Stavast 2, Fuhrmann 2, Dierberg 1/1, Petersen Norberg 1, Aktaş 1, Bláha, Skopár
Text: Wolfram Wegehaupt