[4. Spieltag] HC Elbflorenz Dresden vs. SC DHfK Leipzig (Vorbericht)
Der HC Elbflorenz
Es ist eine Premiere mit besonderer sportlicher Brisanz: Erstmals treffen der SC DHfK Leipzig und der HC Elbflorenz Dresden in einem Ligaspiel aufeinander. Und das ausgerechnet in einer Saison, in der beide Vereine dasselbe große Ziel verfolgen. Leipzig will nach elf Jahren Bundesliga den direkten Wiederaufstieg schaffen, während der HC Elbflorenz nach Platz drei in der vergangenen Saison ebenfalls den Sprung ins Oberhaus anpeilt.
Wie groß die Vorfreude auf dieses Sachsenderby ist, zeigt schon der Blick auf die Zuschauerränge. Die BallsportARENA Dresden ist restlos ausverkauft – und das Interesse ging weit über die vorhandenen Plätze hinaus. Noch nie in der Vereinsgeschichte hätte der HC Elbflorenz Dresden für ein Spiel so viele Karten verkaufen können. Es gab deutlich mehr Anfragen als verfügbare Tickets. Das erste Zweitliga-Duell zwischen Dresden und Leipzig elektrisiert die Handballfans in Sachsen.
Damit ist das erste Zweitliga-Sachsenderby gleichzeitig ein früher Vergleich zweier Mannschaften, die am Saisonende ganz oben stehen wollen. Leipzig geht mit enormer individueller Qualität und viel Bundesliga-Erfahrung in die Spielzeit, der HC Elbflorenz hat sich in den vergangenen Jahren aber selbst zu einer Spitzenmannschaft der 2. Bundesliga entwickelt.
Eine besondere Verbindung gibt es auch an der Seitenlinie. Cheftrainer André Haber arbeitete viele Jahre beim SC DHfK, zunächst im Nachwuchs und später als Co- und Cheftrainer der Bundesligamannschaft. Bis 2022 stand der gebürtige Leipziger beim SC DHfK an der Seitenlinie – nun trifft er erstmals in einem Ligaspiel als Trainer der Dresdner auf seinen ehemaligen Verein.
Entsprechend besonders ist die Partie auch für Haber selbst: „Für mich persönlich ist das mit Sicherheit eines der besondersten Spiele meiner Karriere bis hierhin.“ Gleichzeitig vertraut er auf das, was seine Mannschaft in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hat: „Wir haben eine Mannschaft, bei der die Mentalität absolut stimmt und die als Einheit funktioniert. Ich glaube, wir sind da nahtlos wieder auf dem Niveau der letzten Saison und haben im Tempospiel sogar noch eine Schippe draufgelegt.“ Vor der individuellen Klasse des Gegners hat Haber großen Respekt, stellt aber klar: „Am Ende des Tages werden am Sonntag nicht die besten Individualisten gesucht, sondern die beste Mannschaft. Wir müssen das als Mannschaft verteidigen und als Mannschaft unsere Sachen aufs Parkett bringen. Das wird der Schlüssel sein.“
Die Dresdner holten aus ihren bisherigen drei Ligaspielen drei Siege und haben damit bereits sechs Punkte auf der Habenseite. Im Schnitt erzielte der HC Elbflorenz bisher 39 Tore pro Partie. Zuletzt setzte die Mannschaft mit dem beeindruckenden 42:26 beim TUSEM Essen ein deutliches Ausrufezeichen. Immerhin hatten die Essener zuvor Leipzig aus dem DHB-Pokal geworfen und am zweiten Spieltag in Minden ein Remis geholt.
Alles, was der HC Elbflorenz bisher an Mentalität und Einstellung gezeigt hat, will er auch gegen Leipzig auf die Platte bringen. Die eigenen Fans sollen dabei zusätzlichen Schub geben. Auch Oliver Seidler weiß um die besondere Bedeutung des Spiels. Der Kreisläufer wurde in Leipzig geboren und verbrachte dort seine gesamte Jugend bis hin zur Männermannschaft.
„Natürlich ist es für mich ein besonderes Spiel. Ich habe meine ganze Jugend bis hin zur Männermannschaft in Leipzig verbracht. Jetzt treffen zwei Mannschaften aufeinander, die beide Vollgas Richtung erste Liga wollen.“ Eine große Stärke der Dresdner sieht Seidler aktuell im Zusammenspiel der gesamten Mannschaft: „Gerade in der Abwehr haben wir einen guten Plan, dazu ganz viel Power und ganz viel Emotionen. Auch das Zusammenspiel mit unseren Torhütern funktioniert sehr gut.“ Vor dem Derby sei die Mischung aus Lockerheit und Anspannung spürbar: „Wir sind gut vorbereitet, haben einen guten Plan und trotzdem unseren Spaß. Aber man merkt auch, dass es in den richtigen Momenten zur Sache geht und dass es heiß wird.“
Allgemeine Einordnung des Gegners
Vom etablierten Bundesligisten zum Abstieg: 2015 stieg der SC DHfK in die 1. Bundesliga auf und etablierte sich dort schnell. Über Jahre zeigte die Entwicklung nach oben, ihren vorläufigen Höhepunkt erreichten die Leipziger 2021 mit Platz sechs in der Bundesliga. Danach geriet die Erfolgsgeschichte zunehmend ins Stocken. Nach Platz acht 2023/24 folgte Rang 13, ehe die Saison 2025/26 schließlich im Abstieg endete.
Dabei war Leipzig keineswegs ein Verein, der finanziell chancenlos in der Bundesliga antrat. Mit einem Etat von offiziell 7,5 Millionen Euro bewegte sich der SC DHfK durchaus vor einigen anderen Bundesligisten. Mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten der absoluten Spitzenklubs konnte Leipzig allerdings nicht mithalten. Gleichzeitig stagnierte der eigene Etat über mehrere Jahre, während die Kosten im Profihandball stiegen. So konnte ein immer kleinerer Anteil des Gesamtetats unmittelbar in die Bundesliga-Mannschaft investiert werden.
Sportlich bekam Leipzig diese Entwicklung in der vergangenen Saison deutlich zu spüren. Die Mannschaft kam vom Start weg nicht aus dem Tabellenkeller. Auch der Trainerwechsel zu Frank Carstens brachte zwar neue Impulse, konnte den Abstieg aber nicht mehr verhindern. Nach elf Jahren ununterbrochener Bundesligazugehörigkeit musste der SC DHfK den Gang in die 2. Liga antreten.
Der Anspruch nach dem Abstieg bleibt allerdings enorm. Der Etat wurde auf rund fünf Millionen Euro reduziert, liegt damit für Zweitligaverhältnisse weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Zudem gelang es Leipzig, einen großen Teil seines Bundesliga-Kaders zu halten.
Wie der Verein seine neue Rolle versteht, brachte Geschäftsführer Karsten Günther bereits mit einem bemerkenswerten Satz auf den Punkt: „Wir wollen der 19. Bundesligist sein.“ Leipzig will also trotz Zweitklassigkeit möglichst auf Erstliganiveau weiterarbeiten und den Aufenthalt in der 2. Bundesliga auf eine Saison beschränken.
Vorbereitung und bisheriger Saisonstart
Die Vorbereitung verlief für Leipzig nahezu makellos. Unter anderem gelangen Siege gegen Flensburg-Handewitt, Coburg und Wisła Płock. Auch gegen den HC Elbflorenz setzte sich der SC DHfK im Finale des Sachsen-Cups durch.
Den ersten Dämpfer gab es allerdings gleich im ersten Pflichtspiel. Im DHB-Pokal scheiterte Leipzig überraschend beim TUSEM Essen mit 33:36 nach doppelter Verlängerung.
In der Liga wurde der SC DHfK seiner Favoritenrolle bislang dagegen gerecht. Zum Auftakt gewann Leipzig das direkte Duell der beiden Bundesliga-Absteiger gegen GWD Minden mit 24:23. Am zweiten Spieltag folgte beim TV Großwallstadt ein 33:28-Auswärtssieg und eine Woche später ein erneut knapper 33:32-Heimerfolg gegen den VfL Lübeck-Schwartau, der aufgrund der letzten Sekunden des Spiels zudem für heftige Diskussionen sorgte. Damit steht der SC DHfK nach drei Spieltagen ebenfalls bei 6:0 Punkten.
Das Personal des Gegners
Trotz des Abstiegs ist es Leipzig gelungen, einen bemerkenswert starken Kern seiner Bundesliga-Mannschaft zusammenzuhalten. Mit Spielern wie Tomáš Mrkva, Franz Semper, Lukas Binder, Dean Bombač, Matěj Klíma, Moritz Preuss, Staffan Peter und Blær Hinriksson steckt weiterhin enorm viel Bundesligaerfahrung im Kader.
Besonders interessant ist Neuzugang Finn Schroven im rechten Rückraum. Der 22-Jährige kam vom TSV Bayer Dormagen und gehörte in der vergangenen Zweitligasaison zu den herausragenden Spielern der Liga. Gemeinsam mit Nationalspieler Franz Semper bildet er ein für Zweitligaverhältnisse außergewöhnlich starkes Gespann auf dieser Position.
Neu hinzugekommen sind außerdem Anadin Suljaković im Tor sowie Tim Hertzfeld und Fritz-Leon Haake. Mit Caspar Gauer und Anton Voß wurden zudem zwei junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs fest in den Profikader integriert.
Trainer Frank Carstens steht damit ein Kader zur Verfügung, der für die 2. Bundesliga außergewöhnlich stark besetzt ist. Leipzig bringt enorme Erfahrung, körperliche Qualität und zahlreiche Spieler mit, die Partien individuell entscheiden können.
Für den HC Elbflorenz ist das erste Sachsenderby deshalb eine besondere Standortbestimmung. Gleichzeitig müssen sich die Dresdner nach ihrer Entwicklung der vergangenen Jahre vor diesem Vergleich nicht verstecken. Zum ersten Mal treffen Leipzig und Dresden in einem Ligaspiel aufeinander – vor ausverkauftem Haus, mit einer Nachfrage nach Tickets wie noch nie und mit einem gemeinsamen Ziel: Beide wollen am Ende dieser Saison den Weg in die 1. Bundesliga gehen.
Text: Wolfram Wegehaupt