Tempo- und Torwartspiel Erfolgsfaktoren
[1. Spieltag] TSV Bayer Dormagen vs. HC Elbflorenz Dresden 31:38 (16:21)
Vor dem Spiel waren die formulierten Saisonziele und damit scheinbar auch die Rollen klar verteilt. Während der TSV Bayer Dormagen den Klassenerhalt ausgegeben hat – durchaus etwas tiefgestapelt –, macht der HC Elbflorenz keinen Hehl aus seinen Ambitionen: Die Dresdner wollen aufsteigen. Dass die Rollenverteilungen in der 2. Handball-Bundesliga aber oft nicht greifen, haben beide Teams auch schon erlebt.
Entsprechend konzentriert startete der HC Elbflorenz. Dormagen suchte im Angriff häufig Lösungen über die Mitte und den Kreis, während Dresden aggressiv verteidigte und nach Ballgewinnen sofort ins Tempo kam. Nach fünf Minuten führte der HC Elbflorenz mit 3:1.
Beide Teams zeigten früh taktische Varianten. Dormagen agierte mit einer offensiven 5:1-Abwehr, Dresden deckte in eigener Überzahl zeitweise sogar in Manndeckung. Nach zehn Minuten stand es 4:4, ehe sich der HC Elbflorenz erstmals etwas absetzen konnte. Anton Preußner traf beim Stand von 6:6 zweimal in Folge, kurz darauf erhöhte Nils Fuhrmann von Linksaußen auf 9:6.
Dormagens Trainer Julian Bauer reagierte mit einer Auszeit und bemängelte vor allem die zu vielen Gegentore aus dem Dresdner Tempospiel. Der TSV kam danach beim 9:10 noch einmal heran. Gleichzeitig bereitete dem HC Elbflorenz vor allem das Zusammenspiel der Gastgeber mit dem Kreis Probleme.
Offensiv präsentierten sich die Dresdner jedoch variabel und spielten zeitweise auch mit sieben Feldspielern. Beim 15:12 nach 25 Minuten lag der HC Elbflorenz wieder mit drei Toren vorn. In der Schlussphase der ersten Halbzeit setzte sich Dresden weiter ab. Julius Meyer-Siebert traf aus der zweiten Welle zum 17:13, Sebastian Greß wenig später nach Ballgewinn per Gegenstoß zum 20:15.
Bauer nahm daraufhin bereits seine zweite Auszeit, doch auch bis zur Pause bekam Dormagen das Dresdner Tempospiel nicht entscheidend in den Griff. Viktor Petersen Norberg sorgte schließlich für den 21:16-Halbzeitstand aus Dresdner Sicht.
Der HC Elbflorenz kam zunächst nicht gut aus der Kabine. Die ersten drei Angriffe blieben ohne Tor, zudem kassierten die Dresdner eine Zeitstrafe. Dormagen verkürzte auf 18:21, während der HC Elbflorenz aus seinen ersten fünf Angriffen nur einmal traf. Auch der zur Pause eingewechselte TSV-Torhüter Nick Deekens wurde nun zunehmend zum Faktor.
Beim 20:23 nahm Cheftrainer André Haber eine Auszeit und stellte seine Mannschaft neu ein. Die Reaktion folgte sofort: Dresden zog wieder auf 25:20 davon und stellte damit den Fünf-Tore-Vorsprung aus der Halbzeitpause wieder her. Beim TSV bereitete in dieser Phase vor allem Moritz Köster dem HC Elbflorenz Probleme, während die Dresdner im Angriff nun wieder bessere Lösungen gegen die offensive 5:1-Abwehr fanden. Besonders Ivar Stavast setzte dabei wichtige Akzente.
Gleichzeitig gelang es dem HC Elbflorenz weiterhin sehr gut, das Dormagener Tempospiel zu unterbinden. Mitte der zweiten Halbzeit übernahm Dresden wieder klar die Kontrolle. Timo Löser traf zum 30:24, nach einer weiteren Parade von Robin Cantegrel folgte der nächste schnelle Gegenstoß zum 31:24. Für Dormagen ging es in dieser Phase häufig zu schnell, sodass Julian Bauer bereits seine letzte Auszeit nahm.
Auch danach blieben beide Abwehrreihen intensiv. Beim 34:28 parierte Cantegrel einen Siebenmeter, anschließend erhöhte Julius Meyer-Siebert auf 35:28. Wenig später hielt der Dresdner Schlussmann nach einem Gesichtstreffer auch den nächsten Strafwurf und kam insgesamt auf starke 13 Paraden.
In der Schlussphase ließ der HC Elbflorenz nichts mehr anbrennen und brachte den Vorsprung souverän ins Ziel. Am Ende gewann Dresden verdient mit 38:31.
Fazit: Dormagen zeigte insgesamt eine ordentliche Leistung und stellte den HC Elbflorenz durchaus vor einige Herausforderungen. Am Ende waren die Dresdner im Angriff aber eine Klasse besser. Vor allem im Tempospiel machte der HC Elbflorenz einen deutlichen Unterschied, während er gleichzeitig das schnelle Spiel der Gastgeber über weite Strecken sehr gut unterband. Zudem leistete sich der TSV einfach zu viele technische Fehler. Auch auf die kurze Schwächephase nach der Pause fand die Mannschaft die richtige Antwort und übernahm schnell wieder die Kontrolle. Dazu wurde Robin Cantegrel mit seinen Paraden zunehmend zum Faktor. So steht am Ende ein verdienter und souveräner 38:31-Auswärtssieg und ein überzeugender Start in die neue Saison. Beim HC Elbflorenz kam jeder Spieler zum Einsatz.
Tore: Cantegrel/Malwitz (beide Tor) Löser 7, Greß 6, Norberg 4, Preußner 4, Fuhrmann 4, Meyer-Siebert 3, Stavast 3, Skopár 2, Seidler 2, Bensch 1, Dierberg 1/1, Thümmler 1, Bláha, Aktas
André Haber nach dem Spiel: „Wir hatten in der 1. Halbzeit ein sehr gutes Tempospiel. In der 2. Hälfte haben wir damit etwas weniger Schaden beim Gegner angerichtet. Das Entscheidende ist für mich aber die Mentalität, mit der wir ins Spiel gegangen sind. Zudem hatten wir heute eine tolle Bank, die immer wieder neue Impulse gebracht hat. Auch unsere Spielführung war heute sehr gut. So haben wir viele Chancen herausgearbeitet. Dormagen bleibt trotz unseres klaren Sieges insgesamt ein schwieriges Pflaster. Das ist eine junge, hungrige Mannschaft mit viel Qualität im Spiel Eins-gegen-Eins und Stärken beim Weiterspielen des Balls.“
Text: Wolfram Wegehaupt