Saisonbilanz HC Elbflorenz – Ende gut, aber nicht alles gut!

Veröffentlicht am 17.06.2019 von Pressestelle HC Elbflorenz

Eines wollen wir ohne Umschweife voranstellen: Begeistert davon das Ruder in Richtung Klassenerhalt noch herumgerissen zu haben, ist man natürlich beim HC, aber zufrieden mit der Spielzeit, was das rein Sportliche betrifft, sicher nicht. Die interne Analyse der Spielzeit geht natürlich über das hinaus was hier geschrieben wird und ist sicher im vollen Gange. Eines ist auch klar, nach solch einer Spielzeit müssen als allerersten die Spieler bei sich selbst noch einmal nachhaken.

Zunächst die reinen Zahlen, welche wir nach und nach mit etwas Leben füllen. Mit 31:45 Punkten belegte der HC am Ende der Saison 2018/2019 Platz 15. Das ist quasi der direkte Nachbarplatz zur Abstiegszone. Nur ein Sieg weniger und der HC wäre abgestiegen. In der Debütsaison waren es Platz 11 und 35:41 Punkte. Damals war der HC bester Aufsteiger. In dieser Saison stellte der HC zusammen mit Dessau die drittschlechteste Offensive, war aber eines von 9 Teams, die unter 1000 Gegentoren blieben. In eigener Halle holte der HC 17:21 Punkte (die Saison davor 22:16 Punkte) und in fremder Halle 14:24 (die Saison davor 13:25 Punkte).

„Die vielleicht härteste Zweitligasaison der Historie wirft ihre Schatten voraus: Die Klubs sind in die Vorbereitung auf die einzige Spielzeit gestartet, an deren Ende fünf Klubs absteigen werden.“ Dieses Zitat stammt von der Seite handballworld.com und war im Zusammenhang mit einer Übersicht über Zu- und Abgänge bei den Teams der 2. Liga vor der Saison 2018/2019 zu lesen. Aus Sicht des HC war es definitiv härter, was aber weniger mit den 5 Absteigern, als vielmehr mit der eigenen Entwicklung zu tun hatte. Ob die Liga nun insgesamt wirklich stärker war als in der Saison 2017/2018 ist schwer zu beantworten. Der Aufsteiger der Vorsaison Bergischer HC, hätte sich bspw. wohl auch in dieser Spielzeit relativ klar durchgesetzt. Einen wirklich signifikanten Anstieg der Gesamtqualität der 2. Liga in der zurückliegenden Saison kann man nicht wirklich feststellen. Was nicht bedeutet, dass es auf gewissen Ebenen durchaus ein Qualitätsanstieg ausgewiesen werden kann.

Ganz klar, bei den Dresdnern war die Hinrunde meistenteils zum Vergessen. 10 sieglose Spiele in Folge, so etwas gab es in der gesamten Historie der 1. Männermannschaft noch nicht. Dass man erstmals 4 Spiele (7:1 Punkte) ungeschlagen blieb und dies in der kurzen Zweitligazeit ein Rekord ist, soll aber auch nicht unerwähnt bleiben.

Warum der HC solange kämpfen musste, hängt auch mit seiner durchwachsenen Heimbilanz zusammen. 17:21 Punkte in eigener Halle und das im Schnitt vor noch mehr Zuschauern als in der Saison 2017/2018, ist absolut nicht zufriedenstellend. Eine positive Heimbilanz muss der Anspruch der Dresdner sein. Und ganz ehrlich, was sich der Dresdner Fan zwischenzeitlich an Angriffshandball ansehen musste, war zum Haare raufen. Die 2 Punkte, welche dem HC nach dem Abbruch gegen Hamm-Westfalen „in Rechnung gestellt“ wurden, bilden dabei den negativen Höhepunkt.

Der Kantersieg gegen den damaligen Tabellenführer aus Coburg (35:27), der Heimsieg gegen Aue vor Zuschauerrekordkulisse (2.585) sowie der entscheidende Heimsieg gegen Lübeck-Schwartau, wohl die emotionalen Höhepunkte. In fremden Hallen kann man mit dem Wert von 14:24 Punkten durchaus zufrieden sein, zumal der HC vier Auswärtspartien relativ knapp verlor. Insgesamt verloren die Elbstädter 11 Partien mit einem oder zwei Toren. Dazu kommen 3 Remis. Diese 14 Spiele, die nicht gewonnen wurden, sind ein durchaus interessanter Wert. Wirkliche Nervenstärke zeigten die Dresdner nämlich erst deutlich ab dem 26. Spieltag, wo man in vielen Spielen sehr unter Druck stand. Wenn man das Heimspiel gegen den WHV rausnimmt, haben die Dresdner in jedem „Muss-Spiel“ gewonnen bzw. einmal Remis gespielt. Dass dies natürlich auch ein Effekt des Trainerwechsels war, ist kaum von der Hand zu weisen.

Dass sich die Spieler ob ihrer Leistungsschwankungen davor selbst intensiv hinterfragen müssen, allerdings auch. Und das Trainer Rico Göde mit Kay Blasczyk, Jens Pardun und Timo Meinl sehr gute Unterstützung hatte, ebenso. Insgesamt trat die Mannschaft im Blick auf das konstante Abrufen der Qualität, welche natürlich in der Mannschaft steckt, nach dem Trainerwechsel anders auf. Man könnte sogar noch weitergehen und sagen, die Mannschaft entwickelte einen klareren Stil. Vor allem das Spiel über die Außen sowie das Tempospiel erlebten eine gewisse Renaissance. 222 Tore nach dem Trainerwechsel, gerechnet bis einschließlich des vorletzten entscheidenden Spieltags, waren etwas mehr als 27 Treffer im Schnitt. Vorher lag der Durchschnitt bei etwas über 24 Treffern. Das ist auch im Handball ein signifikanter Unterschied. Dabei blieb der Abwehrwert zum gleichen Zeitpunkt relativ gleich und erhöhte sich im Schnitt nicht einmal um ein ganzes Tor. 

Das positivste nichtsportliche an dieser Saison ist der Zuschauerschnitt. Mit im Schnitt 1874 Zuschauern konnten die Dresdner im Schnitt noch einmal 81 Besucher mehr in die Halle locken. Damit hatte der HC seine Halle im Schnitt zu 75 Prozent ausgelastet. Vor allem in Kampf um den Klassenerhalt kamen regelmäßig immer wieder über 2000 Zuschauer. Im Übrigen konnte neben dem HC kein Verein im Kampf um den Klassenerhalt mit solch einer Zuschauerunterstützung aufwarten. Die Dresdner Fans waren da, als sie die Mannschaft am meisten brauchte. 

Wer die Entwicklung im Dresdner Handball im letzten Jahrzehnt kennt, weiß eines, der Hauptgewinner der letzten Spielzeit, ist erneut der Dresdner Handball. Und den ewig Gestrigen oder potenziellen neuen Unterstützern kann man nur zurufen: Macht mit, wir können noch viel erreichen! (:

Am Ende wollen wir den Spruch aufleben lassen, den wir für einen der gelungensten in dieser Saison halten. „Die wichtigste Währung in dieser Sportart heißt Respekt“, sagte Trainer Rico Röde im Zusammenhang mit dem in Aue scheidenden Spielmacher Eric Meinhardt.

In Sinne Gödes gilt an dieser Stellen allen Respekt, welche den Verein in dieser schweren Saison unterstützt haben, mit ihm gelitten und sich mit ihm gefreut haben. Das gilt ausdrücklich für alle, die noch im Verein aktiv bleiben und für die, welche den Verein verlassen oder verlassen haben. Gleichzeitig geht der Respekt aber auch an alle Gegner und die Verantwortlichen die in jedem einzelnen Verein in der 2. Handball-Bundesliga ihre Arbeit machen. 

Wolfram Wegehaupt

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