Im Land der kalten Hundeschnauzen und Naturkatastrophen

Veröffentlicht am 19.07.2018 von Redaktion

Nachwuchstrainer Felix Henker verbringt seine Zeit im weit entfernten Chile. Wir haben ihn gebeten, uns einen Bericht zukommen zu lassen,wie er sich auf die kommende Spielzeit im Nachwuchsleistungszentrum vorbereitet. Der Text ist originalgetreu auf einer chilenischen Tastatur ohne Umlaute entstanden, lest selbst!

Fuer 3 Wochen hat es mich in das laengste Land der Welt verschlagen. Von der Wueste bis hin zu der Kaeltesteppe hat dieses Land einiges an Vegetation zu bieten. Getruebt wird der Eindruck ein wenig durch die regenreiche Zeit, die der chilenische Winter mit sich bringt. Dafuer wird aber in den Hallen einiges gezeigt. Handball steht bei den Chilenen mit an oberster Stelle. Der Name Feuchtmann ruft aehnliche Begeisterung hervor, wie anderswo Ronaldo.

Chilenischer „Balonmano“ ist vor allem eins, Leidenschaft und Schnelligkeit. In einer dunklen Halle zu trainieren, in der man seinen eigenen Atem ueberholt, weil dieser sofort an Ort und Stelle gefriert Bedarf es an einiger Ueberwindung Sport zu treiben. Grundsaetzlich gibt es keine Heizung. Punktspiele werden aufgrund der Entfernungen an einem neutralen Ort zentral und gegen 2 Mannschaften an einem Tag ausgetragen. Das gilt aber auch fuer die Begegnungen der Jugend, die zwischen den Maennerspielen stattfinden. Die „Auswaertsspiele“ in Panguipulli, ein Stadtname wie Kindersprache, aber dafuer herrlich an einem See am Fusse eines Vulkans gelegen, koennen deshalb schon mal einen kompletten Tag dauern. Da das Spielfeld viel zu kurz ist und die schnelle Mitte vom Schiedsrichter ueberinterpretiert wird, fallen die Begegnungen torreich aus. Wuerfe auf das unverankerte Gehaeuse sind vor allem Dreher und Heber, die aber ohne grosse Muehe erspielt werden muessen. „Abwehrarbeit“ scheint ein laestiges Beiwerk zu sein. Die chilenischen Handballer haben eher eine geringe Koerpergroesse und loesen deshalb viele Situationen in Kleingruppe. Ungewoehnlich aber interessant zugleich erscheint die Spieleroeffnung, bei der sich die Spieler vor ihrer eigenen Auswechselbank in Linie aufstellen. Auf Pfiff des Schiedsrichters betreten die Spieler die Flaeche gemeinsam und klatschen sich am Anwurfkreis der Reihe mit dem Gegner ab. Die Spiele gehen friedlich zu. Generell sind die Chilenen freundlich, offen und angesichts der allgegenwaertigen Gefahr, die von Vulkanen, Tsunamis, Erdbeben und Ueberflutungen ausgeht, versehen mit viel Lebenslust.

Nach einem Spieltag sieht die „Arena“ ziemlich mitgenommen aus, da die eigens dafuer aufgeklebten Handballlinien arg in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Marsch aus der Halle wird natuerlich begleitet von einem Hund. Ohnehin scheint jedem Chilenen auf der Strasse ein herrenloser Hund zugeordnet werden zu koennnen. Der wohlgenaehrte Vierbeiner begleitet sein Herrchen auf Zeit zum Ziel. Selbst bei einer 20 km Wanderung in die chilenischen Berge ist die ein und dieselbe kalte Hundenase immer zuverlaessig und unerschrocken in der Naehe. Da ist eine Haengebruecke ueber den reissenden Gebirgsfluss Futa, der sonst in der Sommerzeit fuer Rafting herhalten muss, nur ein kurzzeitiges Hindernis. So viel Treue wird haeufig mit einem Stueck „Empanada“ belohnt. In der Hauptstadt Santiago de Chile gibt es sogar eigens fuer die Strassenhunde aufgestellte Huetten.

Chile scheint eine Reise wert fuer alle die, die vor dem Sommer fluechten wollten, die Berge schaetzen und eine Liebe zu vierbeinigien Genossen haben. Vamos a Chile!

Felix Henker 

Vielen Dank für die tollen Bilder und Zeilen aus Chile, Felix Henker!

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